Was bedeutet barrierearme Kommunikation?
Barrierearme Kommunikation beschreibt einen Ansatz, bei dem Texte, Bilder und digitale Inhalte so gestaltet werden, dass sie für ein möglichst breites Publikum verständlich und zugänglich sind. Der Begriff „barrierearm“ wird dabei bewusst gewählt, denn eine vollständig barrierefreie Kommunikation ist in der Praxis selten erreichbar. Das Ziel ist es, sprachliche und gestalterische Hürden so weit wie möglich abzubauen.
Das betrifft nicht nur Menschen mit Behinderungen. Rund 6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland können laut der LEO-Studie der Universität Hamburg nicht ausreichend lesen und schreiben, um am gesellschaftlichen und beruflichen Leben vollständig teilzuhaben (Universität Hamburg, 2019). Hinzu kommen Menschen mit Deutsch als Zweitsprache, ältere Zielgruppen oder Personen, die Inhalte unterwegs auf dem Smartphone konsumieren. Verständliche Kommunikation ist damit kein Nischenthema, sondern ein Qualitätsmerkmal, das die Reichweite Ihrer Außenkommunikation spürbar erhöht.
Leichte Sprache und Einfache Sprache: Wo liegt der Unterschied?
Im Zusammenhang mit barrierearmer Kommunikation fallen häufig zwei Begriffe: Leichte Sprache und Einfache Sprache. Beide verfolgen das Ziel, Texte verständlicher zu machen, unterscheiden sich jedoch in Regelwerk und Zielgruppe.
Leichte Sprache folgt einem festen Regelwerk und richtet sich primär an Menschen mit kognitiven Einschränkungen oder Lernschwierigkeiten. Die Regeln sind streng: kurze Sätze, einfache Wörter, keine Fremdwörter, eine klare Struktur. Texte in Leichter Sprache werden idealerweise von Prüfgruppen aus der Zielgruppe gegengelesen.
Einfache Sprache ist flexibler und für die Außenkommunikation von Unternehmen oft der passendere Ansatz. Fachbegriffe dürfen verwendet werden, wenn sie erklärt werden. Sätze dürfen länger sein, solange sie klar strukturiert bleiben. So lassen sich professionelle Website-Texte, Produktbeschreibungen oder Kund:innenmailings barriereärmer gestalten, ohne an Fachlichkeit zu verlieren.
Warum ist das Thema gerade jetzt relevant?
Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), das die europäische Richtlinie über die Barrierefreiheitsanforderungen für Produkte und Dienstleistungen (European Accessibility Act) in deutsches Recht umsetzt, rückt Barrierefreiheit stärker in den Fokus von Unternehmen. Das Gesetz verpflichtet Unternehmen seit Juni 2025, bestimmte digitale Produkte und Dienstleistungen barrierefrei zu gestalten. Das betrifft unter anderem Websites, Online-Shops und digitale Kund:innenkommunikation.
Auch die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) erhöht den Druck: Unternehmen müssen zunehmend über soziale Aspekte wie Diversität und Inklusion berichten. Barrierefreie Außenkommunikation ist ein greifbarer Baustein, um diese Anforderungen mit konkreten Maßnahmen zu untermauern.
Doch auch unabhängig von regulatorischen Vorgaben profitieren Unternehmen von barrierearmer Kommunikation. Klare, verständliche Texte auf der Website verbessern die Nutzungserfahrung, erhöhen die Verweildauer und stärken das Vertrauen potenzieller Kund:innen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) kann das ein entscheidender Wettbewerbsvorteil sein.
Barrierearme Kommunikation auf Social Media
Social-Media-Kanäle sind für viele Unternehmen das zentrale Schaufenster nach außen. Gerade hier lohnt sich ein bewusster Umgang mit Barrierearmut, denn die Inhalte erreichen ein besonders breites und diverses Publikum.
Konkret bedeutet das: Bilder und Grafiken sollten mit aussagekräftigen Alternativtexten versehen werden, damit sie auch für Menschen mit Seheinschränkungen zugänglich sind. Videos profitieren von Untertiteln, die nicht nur für gehörlose Menschen relevant sind, sondern auch für alle, die Inhalte ohne Ton konsumieren. Hashtags werden lesbarer, wenn jedes Wort mit einem Großbuchstaben beginnt (CamelCase), also #BarrierefreieKommunikation statt #barrierefreiekommunikation. Emojis sollten sparsam und gezielt eingesetzt werden, da Screenreader jedes Emoji einzeln vorlesen.
Diese Maßnahmen sind mit geringem Aufwand umsetzbar und zeigen nach außen, dass Ihr Unternehmen Inklusion nicht nur kommuniziert, sondern auch in der eigenen Kommunikation lebt.